Die Erlösung

12. Juni 2007

Seit ich in die 12. Klasse gekommen bin, weiß ich: Meine Schulzeit neigt sich dem Ende zu. Vor einigen Monaten habe ich registriert: Im Juni ist es vorbei. Und heute wird mir bewusst: Es ist vorbei!

Während nach den schriftlichen Prüfungen das große, absolute Hochgefühl bei mir ausgeblieben war, laufe ich heute seit 16:15 mit einem Dauergrinsen durch die Welt. Ich wäre vor dem Colloquium beinahe an einem Herzinfarkt gestorben, und habe mir noch während der Prüfung Gedanken gemacht, wie ich reagieren soll, falls ich den Prüfern vor die Füße speie. Naja, alles ist glatt gelaufen. Bis auf eine einzige Frage habe ich alles gewusst. Leider, denn ich habe es so gut gemacht, dass man mir mehr Fragen stellen musste, weil meine Antworten wie aus der Pistole geschossen kamen. Aber dafür habe dann ja fast alle gewusst, sodass dieser eine Lapsus nicht allzu sehr ins Gewicht fallen dürfte.
Ich bin glücklich.

Nicolas Chamfort:
„Das altmodische Wort Zufriedenheit mit sich und der Welt ist, trotz allem Fortschrittsglauben, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, der Schlüssel zum Geheimnis des Glücks.“

Das trifft gerade einfach zu.


Abi (fast) habi…

16. Mai 2007

Jetzt ist es also fast vorbei mit der Schulzeit, von der manche sagen, ich würde mich später einmal danach sehen. Nun, Sehnsucht verpüre ich zur Zeit auch: Die neu gewonnene Freiheit genießen, endlich ins Leben starten – das sind die nächsten Ziele.

Die Freiheit haben meine Kollegiaten aus dem DeutschLK und ich von gestern auf heute bereits ausgiebig genutzt: Feiern war angesagt, und so nisteten sich neun geschaffte aber fröhliche Fast-Abiturienten kurzfristig bei einer Mitschülerin ein. In einem Pavillon im Garten grillten wir, bedienten uns am Salatbuffet. Natürlich floß auch reichlich Alkohol, aber unsere DeutschLK-Clique schlägt nicht zu sehr über die Stränge. Zwar war es wegen des schlechten Wetters zuletzt verdammt kalt, aber Decken schützten von außen, und der gute Wein wärmte von Innen. Gegen halb vier machten wir uns dann auf den heimweg, um uns heute morgen um 14:00 Uhr (!) zum gemeinsamen Frühstück in ein nettes Café zu setzen. Das dauerte widerum bis vier Uhr anchmittags, sodass wir nun fast 24 Stunden beisammen waren. Und, was soll ich sagen: Weitere 24 Stunden wären auch kein Problem!

Als ich vor zwei Jahren an meine jetztige Schule wechselte, hatte ich keine Ahnung, was ich für Leute treffen würde. Aber ich hatte die Hoffnung, dass es tolle sein würden. Und: Meine Wünsche wuden alle übertroffen. Ich habe seit September 2005 die beste Zeit meines ganzen Lebens gehabt! Und ein Ende ist nicht in Sicht.


Der erste Streich

11. Mai 2007

Heute um Punkt 9:00 Uhr war es soweit: Abitur in den schriftlichen Grundkursfächern.
Viertel nach 8, viel zu früh, war ich am Schulhaus und steigerte mich gemeinsam mit meinen Kollegiaten in die Sache hinein. Panik kam aber dennoch – zum Glück – nicht auf. Für Englisch hatte ich nicht viel gemacht, aber ich hoffte, auch nicht viel zu brauchen, um die Aufgabe zu bewältigen.

Halb neun: Über 110 Schüler betreten relativ geordnet die Turnhalle, was auch daran liegen kann, dass die Plätze sowieso ausgelost wurden. Ich breite mein Dictionary, meine Schreibsachen und die Verpflegung (Banane, Apfel, Wasser) aus und schaue auf die Uhr. Zum ersten Mal.

Kurze Andacht, noch allen Glück wünschen, aufs Klo gehen. Dann rutscht der Zeiger auf die Neun und los gehts. Mäßig schwere Texte, ich habe den genommen, bei dem ich einige Wörter nicht wusste. Aber der andere war blöd. 6 Fragen, nicht allzu schwer, der Reihe nach bearbeitet. Nur die nötigen Vokabeln nachgeschlagen, das andere einfach erschlossen.

10:30 Uhr. Ich esse meinen Apfel und nehme einen Schluck Wasser. Weiter geht es mit der Übersetzung. Fast zu einfach, um wahr zu sein. Habe Sub-Saharan auf gut Glück mit Schwarzafrika übersetzt – und es ist anscheinend sogar richtig. Ansonsten keine Schwierigkeiten.

Gegen 11 Uhr beginne ich meine Compositon, einen Zeitungsartikel zum Thema Armut in Europa. Komm sehr schnell über die 150 Wörter Grenze, habe aber auch mehr als 200 (Obergrenze), sollte aber im Rahmen sein. Ich denke ich habs ganz gut gemacht.

12:00 Uhr. Ich schlage gewisse Verben nach, bei denen ich mir nicht sicher bin, was Satzkonstruktion und Ausdruck angeht. Korrigiere so gut esgeht mein Geschreibsel.

12:28 Uhr. Ich gebe ab.

12:30 Uhr: Frei!

Alles in allem war es recht angenehm. Ich habe durchgearbeitet, alles war im Fluss und ich habe ein gutes Gefühl. Ich hoffe, dass es am Montag in Geschichte auch so gut läuft!


Nach der Schlacht

30. März 2007

Gestern habe ich eine kleine Schlacht geschlagen – bzw. verloren. Das erste Gemetzel: Die Reliklausur. Ich hätte es lassen sollen. Warum nur habe ich die mitgeschrieben? Mit einem Attest hätte ich einfach nach den Ferien schreiben können. Aber anscheinend wars mit der Weisheit nicht weit her und ich saß geschlagene 50 Minuten vor einem Blatt, das größtenteils weiß blieb. Ich hatte ja gelernt – ein bisschen. Ein bisschen zu wenig. So ein Mist. Eigentlich wollte ich Religion ja einbringen. Jetzt muss wohl ein Sportsemester herhalten – da bin ich aber auch nicht gut….
A pro pos Weisheit: Der Zahn ist raus. Nach einer halben Stunde, zwei Betäubungsspritzen und einign Werkzeugen in meinem Mund habe ich die Trophäe mit nach Hause genommen. Unglaublich was da in meinem Kiefer war.Über 2 cm lang und ein Stückchen Nerv hängt auch noch dran. Ich muss mal das Blut abwaschen. Oh ja, Blut…. Bis gestern abend hjatte ich ständig Blut im Speichel….lecker lecker. Aber dank des Schmerzmittels spür ich gar nichts und hab eine geruhsame Nacht hinter mir. Ich hoffe, dass ich morgen mein Kiefer wieder ganz bewegen kann.


Religion

28. März 2007

Weißt du, was das biblische Ethos ist? Nein? Gut, ich auch nicht. Ich kann nur sagen, was es nicht ist: Generell kann man nämlich nicht von einer biblischen Ethik sprechen. Sie gibt lediglich Weisungen, wie im NT oder AT, bei Mose und den Propheten. Es kommt aber mehr darauf an, das man als Christ handelt, und nicht, wie genau man handelt. Man muss Konsequenzen ziehen; Gottes Barmherzigkeit geht dabei nicht unbedingt von einem erfolgreichen Handeln aus.

Dies und viele *gähn* interessante Themen lerne ich auf die Reli-Klausur morgen. Dummerweise kann ich Reli ganz gut gebrauchen um noch ein paar Punkte zu sammeln fürs Abi. Sonst würde ich das Blatt einfach in seiner Jungfräulichkeit abgeben. Aber ich muss eben leider pauken.

Die frühen Anhänger des Jahwe-Glaubens hatten zum Beispiel sehr wohl einen Ethos: Sie entnahmen ihn aus dem Buch Hiob und Mose, aber auch aus der Thora sowie dem Dekalog. Die darin enthaltenen Einzelvorschriften sind so dezidiert und autoritär, dass man hier von einer Gesetzesethik sprechen kann. Aber: „Thora“ bedeutet auch „Weisung“ – somit liefern die Schriften auch hier eher einige Tipps für den Alltag, damit wir „Glück“ erlangen und gleichzeitig Gottes Gnade nicht verscherzen.

Es ist schon komisch: Ich lerne da dieses ganze Gefasel und es klingt so……..leer. Und ziemlich weit weg. Ich kann damit nichts (mehr) anfangen. Es bedeutet mir nichts. Leeres Gefasel eben. Dabei bemühe ich mich sogar, irgendetwas Gutes rauszufiltern. Aber ich krieg nichts raus. Naja, es ist die letzte Klausur, und ich werde spätestens bei den transfer-Fragen punkten können. sollte nicht allzu schlecht laufen.


Facharbeitsprüfung

19. März 2007

Seit ich meine Facharbeit nach gestressten Wochen abgegeben habe – das liegt jetzt zwei Monate zurück – habe ich sehr wenige Gedanken daran verschwendet. Im Hinterkopf spuken einige Gedanken herum, die mich Lügen strafen, wenn ich behaupte, ich sei mit meiner Facharbeit zufrieden und könne mich ruhigen Gewissens der kommenden Prüfung stellen. Dem ist nämlich ganz und gar nicht so. Meine eigenen Ansprüche waren so hoch, dass ich sie nicht erfüllen konnte. Sonst wäre die Facharbeit zu einer Doktorarbeit geworden, mindestens. Nun, da ich mich morgen der Befragung durch meine LK-Leiterin stellen muss, werden diese verdrängten Gedanken ziemlich laut.

Was hätte ich nicht gerne alles geschrieben, wie toll hätte es doch werden sollen! Aber schon ziemlich bald nachdem ich mit dem Arbeiten angefangen hatte, war klar das es so toll nicht werden würde. Ein Limit von 20 Seiten stellte sich für mich schnell als ziemlich eng heraus. Also begann ich mit dem Kürzen des Stoffes, den ich behandeln wollte.
„Günter Grass: Unkenrufe – Die Erzählung und die filmische Umsetzung“, so die Themenstellung. Eigentlich ist es ein saudoofes Thema. Man kann einen Film nur sehr begrenzt mit einem Buch vergleichen, außer man verfügt übe die Zeit und analysiert Einstellung um Einstellung des Films und Wort um Wort der literarischen Vorlage. Das gibt es auch – aber an der Uni. Also handelt mein Vorwort weitgehend von meinem Entschluss, nicht zu viel zu schreiben und mich lieber auf bestimmte Punkte zu konzentrieren. Diese habe ich mehr oder minder ausführlich beackert, so gut es eben ging. Schließlich hat der Film eine andere Sprache als das Buch.

Letzten Endes bin aber trotz allem Ich der Experte für meine Facharbeit. Wenn ich mich morgen also für Kürzungen rechtfertige, muss es meine Lehrerin eigentlich so schlucken. Ich hoffe, sie weiß nicht so genau, was ich leisten kann. Die Facharbeit ist davon nur ein Bruchteil.


Chemie

13. März 2007

Weißt du, was ein Duroplast ist? Oder eine „sterische Anordnung“? Nun, ich weiß es jetzt. Darauf lege ich zwar keinen Wert, aber leider komme ich nicht umhin – ich muss mich auf meine letzte Chemieklausur vorbereiten. Glücklicherweise fällt der Anteil an Strukturformeln, die man lernen muss, diesmal sehr gering aus. Lerne doch mal „CHX-CHx-1-CH………COOOH…….. auswendig, und dass gleich mehrmals. Und dann muss man das noch unterscheiden können! Ich gebe offen zu: Nach drei Jahren Chemie verstehe ich nach wie vor nur Güterbahnhof. Das wäre ja halb so schlimm, könnte ich Chemie jetzt einfach mit der Klausurnote beenden. Aber leider begleitet mich dieses Fach noch bis zum Abitur – mündliches Prüfungsfach!
Ich bin zur Zeit am Überlegen, ob es nicht doch eine höhere Macht gibt. Denn irgendwas oder irgendwer hat mir einen Lehrer gesandt, der mich relativ entspannt durchs Chemie-Abi bringt. Jedenfalls glaubt er das. Aber seine „Bilanz“ spricht für sich: Kein noch so schlechter Schüler ist bei ihm bisher durch die mündliche Chemieprüfung gerasselt. Das heißt nicht, dass ICH das nicht toppen könnte. Aber die Chancen stehen gut, dass ich auch in Chemie eine halbwegs gute Note erkämpfen kann.


Verweigerung pur

5. März 2007

Heute habe ich anscheinend meinen „Verweigerungstag„. Angefangen mit meiner Weigerung, heute den ÖPNV zu benutzen (was mir bestimmt gut getan hätte, rein körperlich gesehen. Psychisch ist das eher schädlich, der ganze Stress^^.) habe ich dann vorhin meinen Kriegsdienst-Verweigerungs-Antrag abgeschickt und schließlich noch Sport geschwänzt – Tischtennis, pfui! So was von langweilig. Da hätte ich lieber Badminton behalten sollen. das ist zwar anstrengend, aber dann kommt man nachmittags wenigstens nicht umsonst in die Schule. Naja, in Tischtennis werde ich schon ein paar Mal gehen müssen, sonst gibts noch Ärger. Aber bald ist das endlich vorbei, nie wieder Schulsport!
Um mein Gewissen ins Reine zu bringen werde ich jetzt aber eine Runde joggen gehen.


Verhaltenslehre

4. März 2007

Lernen kann auch Spaß machen. Das habe ich jetzt wieder festgestellt, da ich für die bio-Klausur gerade Ethologie pauke.

Glücklicherweise finde ich genug anschauliche Beispiele für Instinktverhalten, Konditionierung und Co. Instiktverhalten meint die Handlungskette von einer „ungerichteten Appetenz“ (z.B. das Warten auf Beute) über die gerichtete Appetenz (das Taxieren der Beute) bis zur Endhandlung (Töten, Fressen der Beute), was sich recht gut mit der Erdkröte darstellen lässt. (Jaja, das Biobuch kennt viele Tierarten^^). Wenn die ein Beutetier fixiert hat und die Endhandlung beginnt, kann sie sozusagen nicht mehr stoppen. Und verpasst die Fliege, wenn sich diese weiterbewegt.
Meinen Kater Diego haben Ich und meine Familie mehr oder minder unabsichtlich konditioniert. Immer wenn er hört oder sieht, dass sich jemand auf die Kellertreppe zu bewegt, springt er hinterher. Er bekomt nämlich immer im Keller sein Futter. Tja, so läuft er den Weg mehrmals täglich umsonst, da seine Handlungsbereitschaft (die, zu Fressen) meist recht hoch ist. Soweit die biologischen Vorgänge bei mir zu Hause. Ich geh es besser nochmal durch.


Mathe – Unbekannte Welten

2. März 2007

Heute habe ich die letzte Mathematikklausur meiner Schulzeit geschrieben. Naja, sie war – wie eigentlich alle meine Tests, Exen und Schulaufgaben in diesem Fach – schlecht. Mein Gefühl sagt mir aber, dass ich wohl das ein oder andere Pünktchen haben dürfte, vielleicht wirds also kein totaler Absturz. Und selbst wenn: Mathe ist für mich erstmal gelaufen.

Komisch ist es schon. Mathe ist das typische „Kann-ich-nicht“-Fach für viele Menschen. Bei mir hat es eigentlich auch seit der Grundschule diesen Status; von einer kleinen Episode in der fünften Klasse Gymnasium (eine 3!, der Stoff umfasste die römischen Zahlen und das duale System) einmal abgesehen. Danach ging es Berg ab: 4, 5, 6 – unterhalb der Vier war alles dabei. Glücklicherweise retteten mich meine starken Fächer (Deutsch, Geschichte, Musik) bisher immer vor dem Durchfallen. In der achten Klasse wurde es happig: Physik war nun mein zweites schlechtes Fach.

Aber ich habe überlebt. Bis in die 13. Klasse. Deshalb bin ich etwas nachdenklich, ob ich mich nun dafür einsetzen soll, Mathe auf freiwilliger Basis in den Lehrplan zu nehmen oder nicht. Ich kann nämlich nicht behaupten, dass Mathe mir nichts gebracht hat, im Gegenteil: Durch Mathe habe ich gelernt, mit ungeliebtem, manchmal verhasstem Gedankengut umzugehen. Man muss Kompromisse eingehen, wenn man um etwas nicht herum kommt, es aber nicht mag. Das hat mir Mathe (auch) beigebracht.