Heute bin ich bei einem großen Videoportal im Internet auf folgendes…nunja, interessante Schnippselchen gestoßen:
Irgendwie ist es ja wirklich lustig. Ich meine: Wer hat noch nie einen dieser „netten“ Menschen getroffen, die sehr mitfühlend und aufopferungsvoll sind – jedenfalls solange man ihnen nicht widerspricht oder etwas in Frage stellt. Und jetzt kann und will ich gerne darüber lachen. Aber eigentlich ist es verstörend. Es gibt so viele dieser … fehlgeleiteten Seelen, um im Jargon zu schreiben. Ich bin auf den Tag gespannt, an dem dieses ewige Ratespiel aufgelöst wird, wer nun im Besitz der Wahrheit ist. Wer wird am Ende lachen? Atheisten, Christen, Molsems, Juden, Buddhisten, Hindus usw. ? Ich befürchte fast, alle werden mit offenem Mund auf die Lösung starren, die möglicherweise noch niemand (bis auf Einen!) in Betracht gezogen hat:
Ich besuche eine evangelische Gesamtschule. Das zwar erst seit nicht ganz zwei Jahren, aber ich habe die Schule in diesem Zeitraum als offen, tolerant und sozial kennen gelernt. Dazu muss man wissen, dass ich mir vor dem Wechsel an diese Schule viele Gedanken ob des Wörtchens „evangelisch“ gemacht habe. Ich bin evangelisch, so steht es auf dem Taufschein. Aber ich bin schon seit langer Zeit nicht mehr gläubig. Ich würde mich auch eher als Atheisten bezeichnen, denn als Christen. Aber: Ich heiße die evangelische Ethik gut, lebe zu großen Teilen nach ihr und bin auch bereit, die soziale Arbeit der Kirche zu unterstützen. Deswegen bin ich schlussendlich auch auf die konfessionelle Schule gegangen. Und ich habe es nicht bereut. Nie.
Nun gehört es zum Schulalltag, im zweiwöchigen Turnus die Schulversammlungen – mit Gebet und Segen – zu besuchen. Dem kam ich meistens auch nach. Denn ich habe bisher keine Indoktrinationsversuche beobachten müssen, und dieser Tatsache verschulde ich auch, dass ich wieder positiver über den Glauben denke. Doch was musste ich da in der letzten Versammlung sehen? Es hat mich sehr beunruhigt. Vielleicht bin ich auch paranoid was Fundis angeht, aber ich will die Geschichte erzählen:
Wie gewohnt folgten dem Kirchenlied einige den Schulalltag betreffende Worte des Rektors. Dann folgte eine Ankündigung für ein Musical, zu dem man sich doch melden solle. Und dann kam der Hammer: Ein junges Mädchen, engagiert im CVJM und anscheinend auch für eine Organisation namens „proChrist“ warb für „JesusHouse„. Dazu gab es einen wahnsinnig toll gemachten, jugendlich und hippenTrailer:
Wahnsinn, oder ? „Jesus ist toll, Jesus ist super, er ist die Wahrheit, er ist die Wahrheit, er ist ALLES, KOMME ZU UNS….:“. Ich will diese Veranstaltung in keinster Weise mit „The Call“ oder der „Jesus Revolution Army“ in Verbindung bringen, denn das käme einer Verharmlosung letztgenannter gleich. Sicherlich ist „Jesus House“ noch relativ harmlos. Ich hoffe es. Aber ich finde es zutiefst beunruhigend, dass diese indoktrinatorischen Veranstaltungen sich so häufen. Da werden die Jugendlichen mit Gummibärchen und trendigenTrailern eingefangen (es gibt übrigens je nach Zielgruppe und Präsentationsort verschiedene Trailer) und es wird ihnen eine „einzigartige, einmalige Gemeinschaft“ versprochen. Natürlich, dafür wird spätestens der Herdentrieb sorgen, dem sich dann keiner mehr entziehen kann, wenn man erst einmal in einem Gehirnwäschecamp ist. Auf der Infoseite ist zu lesen: JesusHouse2007 – das ist … eine klare, evangelistische Verkündigung. Evangelistisch? Kann vieles bedeuten, aber eben auch: Evangelikal = Hardcorechrist = Fundamentalist ? Da das Projekt über ProChrist läuft, einem Verein in dem immerhin die Kirchen involviert sind, wird wohl keine Freikirche dahinter stecken. Aber womöglich bedient sich auch die Kirche solcher Massenveranstaltungen, um ihre Schäfchen zu umwerben? Nun, ich verlasse die Schule bald mit Abitur. Ich hoffe, dass man dort diesem emotionalen Massenglauben ohne Individualität Grenzen setzt.
Gut am Internet ist auch, dass sich so manche krude Verschwörungstheoretiker ständig selbst entlarven. Ob auf PI (der Name taucht mir in letzter Zeit zu oft in meinem Blog auf…), Politikstube oder Kreuz.net, überall dort treffen sich selbsternannte Christen und verteidigen ihre Religion der Liebe. Das klingt zunächst nicht so schlimm, denn wir leben ja in einem freien Land. Jeder darf Glauben was er will. Wenn er anderen auch ihren Glauben lässt. Das aber wollen diverse Fundamentalisten keinesfalls tun.
Zumeist offenbart sich die Nichtakzeptanz aller anderer Religionen außer des Christenums selbst schleichend. Sie wird selten direkt genannt. Eine beispielhafte Enthüllung dieser krassen, extremen und fundamentalistischen Ansichten, die so mancher netter Christ teilt, kann man an einem Beispiel sehr gut beobachten: Homosexualität. In verschiedenen Diskussionen fängt es harmlos an: Eine Fragestellung, zum Beispiel ob Homosexualität Sünde ist oder nicht, eröffnet das Thema. Nur wenige wollen die gleichgeschlechtliche Liebe pauschal verurteilen, aber man ist sich dann doch unsicher, ob Homos Menschen sind, ob sie Sünder sind, ob man sie „heilen kann“. Das erschreckt einen unbedarften, offenen Menschen wie mich zwar sehr. Aber es ist nichts im Vergleich zu dem, was da noch alles in den Köpfen rumschwirrt! Mit einem Mal sind sie dann nämlich da, die krudestenVerschwörungstheorien. Ob ein Schwuler ein Mensch ist, steht dann nicht mehr zur Debatte. Denn vor allem Schwule (Lesbengibts ja auch noch) gelten nur noch als perverse, abartige und triebgesteuerte Pädophile, denen mann(!) in keinem Moment das Hinterteil zuwenden darf. Doch damit nicht genug. Wenn ein unbedarfter, offener Mensch wie Ich solchen Entgleisungen ständig entgegenhält, wo das in der Bibel stehe und wieso man Schwulen soviel Hass entgegen bringe, kitzelt man langsam aber sicher den puren Hass aus den achso nächstenliebenden „Christen“ heraus. Da ist dann schnell die Rede davon, dass man die „Homolobby“ irgendwie vernichten müsse, da man dem Antichristen anders nicht beikommen könne. Als nun letzte Woche PI und Konsorten die Intoleranz mancher Muslime verurteilte, die Schweinefleisch als Grund für Homosexualität ansehen, brachte Kreuz.net seine eigene Theorie an: Wer Scheinefleisch ist, wird auch bald wie ein Schwein aussehen! Das hat mit Intoleranz nicht mehr viel zu tun, dass ist pure Menschenverachtung. Doch Kreuz.net kann noch mehr:
Die schweren Gesundheitsrisiken bei widernatürlichen geschlechtlichen Homo-Handlungen, zeugen von der Gefährlichkeit der Homo-Ideologie. (Quelle)
Was, im Himmels Willen, verbreiten diese Leute da in Gottes Namen? Mit dem Christentum jedenfalls haben diese Menschen nicht mehr viel gemein. Hier kommt zum Deckmantel der Nächstenliebe die krasse Angst vor anderen Menschen. Ich will diese Fundis nicht als etwas Abartiges verurteilen, wie sie es mit Homosexuellen tun. Aber ich muss gestehen, dass ich nicht verstehe woher so viel Hass kommt, wenn man doch Liebe predigt. Ich muss aber auch darauf hinweisen, dass es immer wieder aufrechte Leute gibt, die solchen Meinungen entgegen treten. Politikstube beheimatet viele Christen, die nicht mehr nur rechskonservativ sind. Aber es gibt auch eine handvoll Gläubige, die nicht jeden Post unkommentiert stehen lassen.
Gestern Abend, leider erst um 23:00 Uhr, strahlte das ZDF eine Dokumentation über christlichen und islamistischenFundamentalismus aus. Meiner Meinung nach eine ausgezeichnetem ausgewogene und – leider – beängstigende Sendung.
Die islamistischenTerroristen rechtfertigen sich mit dem Koran und dem „Jihad„, also dem religiösen Krieg (was Jihad wörtlich bedeutet, entspricht nicht Krieg, ich weiß)., den sie gegen das Christen- und Judentum führen müssen, die Verteidigung mit dem Schwert. Aggressoren sind also laut islamistischen Extremisten die Christen.
Die evangelikalen radikalen Gruppen in den USA und auch Europa rechtfertigen sich mit der Bibel und dem Sendungsbewusstsein der Christen. Vorallem müssen sie gegen den Antichristen, verkörpert durch den Islam, kämpfen. Aber sie lehnen Gewalt ab. Also beten sie für ihren Präsidenten und seine Armee.
Fällt dir was auf? Ziemlich ähnliche Ansichten! Das ist erschreckend. Wenn eine evangelikale Pilgergruppe in Israel das Gelände besichtigt, auf dem sie das Armageddon vermuten (das ja bald passiert) und dabei davon spricht das „der in der EU geborene Antichrist“ hier „zwei Drittel der Juden vernichten wird“……..Hilfe!! Dabei biedern sie sich auch noch Israel an: „Die glauben immerhin an den gleichen Gott. Aber da sie Jesus nicht wie wir sehen, werden sie nicht erlöst werden.“ (so ungefähr der Sinn der Worte eines Interviewpartners).
Was ist das für eine Welt, die so sehr auf Endzeit ausgerichtet ist, jedenfalls für manche Menschen? Gerade den Christen in Europa und Amerika geht es ziemlich gut, sie leben in Sicherheit und Wohlstand. Naja, vielleicht braucht man genau deshalb ein Feindbild. Beim Islam ist es umgekehrt,
Warum ist es so schwierig, mit gemäßigten Christen zu einer Übereinkunft zu kommen: Dass es genau so gefährliche christliche Fundis gibt wie islamistische? Dann heißt es immer: „Nein, die christlichen Extremisten handeln nicht in Gottes Willen, aber die Islamistenhandel nach dem Koran!“
Das ist ein Kindergartenkrieg. Nur leider völlig real, und man wirft nicht mit Bauklötzen.
Du durchsuchst derzeit die Archive der Kategorie Fundamentalismus.
Kompliziert
Okay, komplizierte Menschen sind anstrengend. Aber dafür entdeckt man auch immer wieder etwas Neues. Also: Lieber Macken haben als nur eindimensional sein.