Wie bereits berichtet, war ich vor Kurzem unversehens in der Marvel-Comic-Verfilmung “Ironman”. Da der Kinobesuch nicht geplant war, konnte ich mich auf diesen Film nicht vorbereiten und geriet also völlig uninformiert in Sachen Inhalt, Geschichte und Schauspieler in ein ziemlich gutes Actionspektakel.
Zunächst einmal aber zur Story: Der Waffenproduzent und Milliardär Tony Stark wird kurz nach der Vorführung einer neuen Wunderwaffe vor stationierten US-Truppen in Afghanistan entführt. Ein Milizführer, der bereits viele Waffen von Starks Firma erworben hat, möchte nun, dass Stark ihm die gerade Vorgeführte nachbaut. Gemeinsam mit einem Mitgefangenen macht sich der Waffenentwickler aber daran, einen eisernen Schutzpanzer zu bauen, um sich den Weg aus dem Gefängnis freischießen zu können. Der Plan funktioniert und Stark kehrt, leicht lädiert, nach Amerika zurück. Geläutert durch seine Erlebnisse erkennt er, dass seine Waffen nicht wie angenommen die USA schützen und zum Frieden beitragen, sondern von Freund und Feind gleichermaßen benutzt werden um zu töten. Während er nach und nach die Kontrolle über die Geschäfte vollends an seinen väterlichen Freund und Vizechef des Konzerns, Stane, verliert feilt er an der “Ironman”-Rüstung, die als Ein-Mann-Armee mit sprichwörtlicher Eisenhaut schlimmere Konflikte verhindern können soll. Stane kommt jedoch bald dahinter und will das Potenzial des Prototyps für die Waffenproduktion einsetzen. Schließlich kommt es zum Kampf zwischen den beiden “Ironman”-Typen, bei dem letztlich Stark obsiegt.
Diese kurze Inhaltsangabe hätte mich wohl davon abgehalten, den Film anzusehen. Aber, zum Glück (!), habe ich nichts über diesen Film gewusst und wurde somit positiv überrascht.
Die Geschichte gibt weitaus mehr her, als es die Zusammenfassung vermuten lässt. Der Geld-, Party- und Egobesessene Waffenproduzent, der zwar mit dem Krieg Geld verdient, denselben jedoch erst wahrnimmt, als er selbst verwundet wird, führt zu Beginn des Films in die Handlung ein. Rückblenden überspitzen das Playboyleben Starks wirkungsvoll und stehen einem Comic und seiner Verfilmung gut an. (Obschon ich zugeben muss, dass ich auch den Comic nicht kenne – aber so große Unterschiede zu anderen dürfte es nicht geben, oder?)
Erst in afghanischer Gefangenschaft wird aus dem passiven Sonnyboy ein leicht nachdenklicher Typ, der sich auf einmal seines bisherigen Lebens und dessen Inhalts bewusst wird: Starks Unternehmen produziert und entwickelt Waffen – allerdings befasst sich der Firmenchef quasi nur mit dem letzten Ergebnis davon: Geld. Leider wird der eigentliche Grund für diesen Sinneswandel- in meinen Augen die beinahe tödliche Verletzung durch Granatsplitter, die jetzt ständig in Starks Herzen wandern können (deshalb trägt Stark im ganzen Film einen seltsamen Magnetmotor auf der Brust, der dann auch den “Ironman”-Anzug antreibt – zu wenig beachtet. Zugunsten einer kurzen und herzlichen Beziehung des Amerikaners Stark (!) zu einem afghanischen Mitgefangenen (der kurz darauf heldenhaft für Stark (!!) stirbt), die wohl die üblichen (Ex)-Sowjet-Afghanen-Iraker-Syrer-usw.-Antagonisten in anderen Filmen entschuldigen soll versäumt der Film hier eine Möglichkeit, den ansatzweise vorhandenen Charakter des Protagonisten auszuformen. Allerdings macht Robert Downey auch so eine ganz gute Figur.
Nach de Rückkehr in die Staaten ist es mit der Persönlichkeitsentwicklung auch schon wieder vorbei; einzig die Beziehung zu Starks Assistentin findet noch Beachtung: Echte Liebe kommt nicht auf da sich der Ex-Waffenlieferant nun ganz auf seine neue “Flamme”, den Weltfrieden (direkter: den “Ironman”-Anzug) konzentriert. Vielleicht kann man auch die völlige Abstinenz von den Firmengeschäften als weiteres Indiz auf Starks Wandel werten. (Wahrscheinlicher ist aber, dass Firmengeschäfte in einem Actionstreifen eher uninteressant sind und deswegen einfach fehlen.) Ehrlich gesagt ist dieser Mittelteil ein klein wenig langweilig: Die Testflüge in der sich stets verbessernden Ironman-Kluft sind zwar rasant, aber irgendwie nicht wirklich spektakulär. Einige Slapstick-Einlagen (z.B.: Der Ironman kracht durch sämtliche Decken des Stark’schen Anwesens, als er auf dem Dach landen will, später benutzt er diesen neuen Eingang immer wieder) und irrwitzige Ausflüge nach Afghanistan, wo Ironman erste Friedensmissionen erledigt, locken von Zeit zu Zeit ein Lächeln auf die Lippen. Richtig in Fahrt kommt der eiserne Held (und mit ihm der Film) erst, als sich ein ungeahnter Twist ergibt: Die Entführung durch afghanische Milizen war nämlich von Starks Vize angeordnet, der dort seinen Chef loswerden wollte. Prompt steht der Ex-Freund und fortan Erzschurke Stane auch schon in Starks Wohnung, reißt demselben den Magneten von der Brust und nutzt ihn als Antrieb für seinen ganz eigenen Ironman – ein wahres Kriegsmonster. Glücklicherweise hat die kluge Assistentin noch einen Motor aufgehoben und so stellt sich der wahre Ironman, wenn auch verletzt und schwach, dem überdimensionalen Gegner. Natürlich – und Gottseidank ohne langes melodramatisches Hin- und Her – gewinnt der Gute, siegt Ironman.
Die Effekte sind – toll. Was auch sonst. Ich meine , bei einer Großproduktion aus Hollywood darf an technischen Dingen eigentlich nichts mehr auszusetzen sein. Man sieht wofür das Geld ausgegeben wurde. Ein schönes Schmankerl ist, dass der Handlungsort diesmal nicht das sonst so attraktive New York ist.
Insgesamt konnten mich die Story, zwei gute Darsteller um den glänzenden Robert Downey und eine gute Portion Komik überzeugen. Ironman ist ein guter Film und eine sehr gute Comic-Verfilmung – und macht Lust auf mehr. Ironman ist nicht austauschbar mit anderen Marvelgestalten sondern erfrischend anders. Bleibt zu hoffen, dass das angekündigte Sequel diese Leistung fortführt.