Eine unheilige Allianz

30. April 2007

Es ist schon komisch: Da beteuert Udo Ulfkotte, selbsternannter Terrorismus- und Islamexperte, er wolle mit seinem Verein (und der künftigen Partei) „Pax Europa“ lediglich die freie demokratische Grundordnung retten und nicht etwa mit den Rechtsextremen paktieren (die den Islam ebenfalls als neues Feindbild entdecken), und will gleichzeitig mit zwei ehemaligen Schill-Partei-Mitgliedern paktieren. Dennoch gründet er aber eine laut eigener Aussage antiislamische Partei“, die sich also bewusst und zu allererst gegen eine Glaubensgemeinschaft richtet. Während Ulfkotte in Interviews gerne behauptet, es gebe nicht den friedlichen und den gewaltbereiten Islam findet man auf der Parteihomepage allerdings die Richtigstellung, man wolle nur „anti-islamistisch“ sein. Bedeutet das nun, lieber Udo, dass ihr alle Gläubigen des Islam als Islamisten anseht oder tatsächlich differentiert? Wohl eher Ersteres. Und dass, lieber Udo, erinnert mich als Geschichteinteressierten Menschen dann doch an vergangene Zeiten, als jemand ebenfalls gegen eine „schleichende Bewegung“ vorgehen wollte, die er als ultimative Bedrohung ansah.
Noch klatschen die Neonazis nur Beifall, dass ihnen jemand aus der Seele spricht. Wann werden sie „Pax Europa“ beitreten? Und ich bin gespannt, ob sich diese junge Partei, die ja Großes vorhat, der Verlockung erwehren kann, die das rechte Mitgliederpotenzial darstellen muss.

Beunruhigend: Unter „Referenzen“ auf Ulfkottes Homepage steht auch die Friedrich-Ebert-Stiftung – ich hoffe, das wird bald behoben!


Das Kaiserreich

26. April 2007

Nach dem Sieg über Frankreich war das junge Reich nicht nur rein psychisch im Freudentaumel. Die hohen Reparationsleistungen der Franzosen, die neu hinzu gekommenen Erz- und Industriegebiete und der einheitliche Staat sorgten für einen Boom in Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. So kam es, dass sich Bismarck immer mehr auf die ehemals verhassten Liberalen stützte, um eine Mehrheitsregierung führen zu können. Die verziehen ihm auch wegen des wirtschaftlichen Erfolgs in der Gründerzeit den Verfassungskonflikt. Kein Wunder also, dass die ersten Reformen in der Wirtschaft und damit verbundenen bereichen erfolgte: Banken entstanden, die letzten Zollschranken fielen und endlich gab es einheitliche Gewichtseinheiten und Maße.

Auch im Kulturkampf waren die Liberalen eine wertvolle Stütze: Die „papsthörigen, ultramontanen Katholizisten“ wurden kurzerhand verboten und aus öffentlichen Ämtern entfernt. Die Zivilehe und staatliche Schulpflicht unterbanden auch in diesen Bereichen jeglichen katholischen Einfluss. Jedoch zog die Zentrumspartei bald die geschassten Gläubigen an wie ein Magnet.

Doch der Gründerkrach bescherte der Allianz aus Liberalen und Konservativen ein jähes Ende: Wegen den wirtschaftlichen Problemen führte Bismarck Schutzzölle ein und befürwortete einen wirtschaftlichen Protektionismus. Die Liberalen wandten sich ab, und Bismarck musste neue Mehrheiten finden: Die Konservativen. Schon bald schwächten die Sozialistengesetze die „Reichsfeinde“ bei den sozialistischen Parteien und Vereinen. Attentate auf den Kaiser lieferten den Grund, Parteien, Vereine, und Publikationen mit sozialistischen oder auch freisinnigen Gedanken zu verbieten. Jedoch führte dies zu einer Radikalisierung der Arbeiterschaft, und auch zu mehr Zulauf zu der jetzt marxistisch orientierten SPD.

Parallel dazu suchte man den Sozialisten die Klientel in der Arbeiterschaft mithilfe der Sozialgesetzgebung abzuwerben. Aber nötig waren die von Bismarck eingeführten Versicherungen und Rentenkassen auch – die Industrialisierung hatte Deutschland längst erfasst und ihre Spuren in der Sozialen Frage hinterlassen. Ab 1881 fanden Unfall-, Invaliden- und Rentenversicherung ihrenPlatz in der deutschen Tradition eines sozialen Staates. Bismarck wurde durch seine strategische und irgendwie beeidnruckende Politik zwischen „divide et impera“ und „Zuckerbrot und Peitsche“ zu einem nationalen Denkmal. Als „der Lotse“ 1890 „von Bord“ ging, wie es eine zeitgenössische Karikatur formuliert, hinterließ er ein gefestigtes Deutschland. Doch es war auch ein von Bismarck geprägtes und durch Bismarck existentes Reich, wie sich bald herausstellen sollte.


GegenStasi 2.0. – Stoppt Schäuble!

25. April 2007

Aus aktuellem Anlass und wegen der Schäubleschen Stasiagenda schließe ich mich dieser Initiative an. Wie der letzte Blog vor der Autobahn, Zerrspiegel und viele andere will ich nicht länger tatenlos zusehen, wie

- Paranoia vor andersgläubigen, andersfarbigen und harmlosen Menschen geschürt wird

- unendlich viel Datenmaterial der Privatssphäre entrissen werden soll

- Big Brother nicht mehr nur auf RTLII kommt.

- jeder unter Generalverdacht steht

- Bürger zur Denunziation aufgerufen werden

Mache auch du mit, hier gibts diePlakette.


Die Fundis kommen!

25. April 2007

Ich besuche eine evangelische Gesamtschule. Das zwar erst seit nicht ganz zwei Jahren, aber ich habe die Schule in diesem Zeitraum als offen, tolerant und sozial kennen gelernt. Dazu muss man wissen, dass ich mir vor dem Wechsel an diese Schule viele Gedanken ob des Wörtchens „evangelisch“ gemacht habe. Ich bin evangelisch, so steht es auf dem Taufschein. Aber ich bin schon seit langer Zeit nicht mehr gläubig. Ich würde mich auch eher als Atheisten bezeichnen, denn als Christen. Aber: Ich heiße die evangelische Ethik gut, lebe zu großen Teilen nach ihr und bin auch bereit, die soziale Arbeit der Kirche zu unterstützen. Deswegen bin ich schlussendlich auch auf die konfessionelle Schule gegangen. Und ich habe es nicht bereut. Nie.

Nun gehört es zum Schulalltag, im zweiwöchigen Turnus die Schulversammlungen – mit Gebet und Segen – zu besuchen. Dem kam ich meistens auch nach. Denn ich habe bisher keine Indoktrinationsversuche beobachten müssen, und dieser Tatsache verschulde ich auch, dass ich wieder positiver über den Glauben denke. Doch was musste ich da in der letzten Versammlung sehen? Es hat mich sehr beunruhigt. Vielleicht bin ich auch paranoid was Fundis angeht, aber ich will die Geschichte erzählen:

Wie gewohnt folgten dem Kirchenlied einige den Schulalltag betreffende Worte des Rektors. Dann folgte eine Ankündigung für ein Musical, zu dem man sich doch melden solle. Und dann kam der Hammer: Ein junges Mädchen, engagiert im CVJM und anscheinend auch für eine Organisation namens „proChrist“ warb für JesusHouse. Dazu gab es einen wahnsinnig toll gemachten, jugendlich und hippen Trailer:

Wahnsinn, oder ?
„Jesus ist toll, Jesus ist super, er ist die Wahrheit, er ist die Wahrheit, er ist ALLES, KOMME ZU UNS….:“.
Ich will diese Veranstaltung in keinster Weise mit „The Call“ oder der „Jesus Revolution Army“ in Verbindung bringen, denn das käme einer Verharmlosung letztgenannter gleich. Sicherlich ist „Jesus House“ noch relativ harmlos. Ich hoffe es.
Aber ich finde es zutiefst beunruhigend, dass diese indoktrinatorischen Veranstaltungen sich so häufen. Da werden die Jugendlichen mit Gummibärchen und trendigen Trailern eingefangen (es gibt übrigens je nach Zielgruppe und Präsentationsort verschiedene Trailer) und es wird ihnen eine „einzigartige, einmalige Gemeinschaft“ versprochen. Natürlich, dafür wird spätestens der Herdentrieb sorgen, dem sich dann keiner mehr entziehen kann, wenn man erst einmal in einem Gehirnwäschecamp ist.
Auf der Infoseite ist zu lesen: JesusHouse2007 – das ist … eine klare, evangelistische Verkündigung.
Evangelistisch? Kann vieles bedeuten, aber eben auch: Evangelikal = Hardcorechrist = Fundamentalist ?
Da das Projekt über ProChrist läuft, einem Verein in dem immerhin die Kirchen involviert sind, wird wohl keine Freikirche dahinter stecken. Aber womöglich bedient sich auch die Kirche solcher Massenveranstaltungen, um ihre Schäfchen zu umwerben? Nun, ich verlasse die Schule bald mit Abitur. Ich hoffe, dass man dort diesem emotionalen Massenglauben ohne Individualität Grenzen setzt.


Lug’ und Trug

24. April 2007

Bisher war ich der Ansicht, die meisten Medien hierzulande verließen sich bei Umfragen auf seriöse und fundierte Ergebnisse. Aber es scheint, als bin ich dabei einer Wunschprojektion erlegen: Wie Spiegelfechter in einem gut recherchierten Artikel beschreibt, dienen Umfrageergebnisse wohl vermehrt bestimmten Interessen. Nun, dass viel manipuliert wird und wurde, dass ist nichts neues. Aber: Dass sowohl Spiegel, die Zeit als auch die Süddeutsche Zeitung einem dubiosen Institut auf den Leim gegangen sind, erschreckt. Aber: Wenn man zu dieser ausgegorenen Mischung noch etwas Schäuble hinzu gibt, so klart das Bild auf: Seit Jahren berichten nämlich Medien unter Berufung auf das „Islam-Archiv von steigenden Übertritten Deutscher in die islamische Glaubensgemeinschaft. Auch Schäuble und sein Innenministerium bezogen sich oftmals auf die Erhebungen dieses Instituts, er fühlt sich angesichts steigernder Konvertitenzahlen sogar bedroht. Broder vom Spiegel tut sein Übriges, und spickt seine polemischen und islamophoben Texte mit Zahlen, die, je nachdem wie man sie wendet und dreht, mal belanglos mal horrend erscheinen. Auch die Süddeutsche wittert Gefahr:

Nach Institutsangaben pendelte die Zahl der Übertritte vor dem 11. September im Jahr zwischen 250 und 300. Danach stieg sie auf über 800, im Jahr 2005 wurde mit 1152 eine erste Höchstmarke erreicht. Die Daten für 2006 sollen demnächst veröffentlicht werden, doch ein Mitarbeiter des Instituts deutet einen gewaltigen Anstieg an: 2005 habe es insgesamt etwa 13000 deutschstämmige Muslime gegeben – 2006 müsse man mit etwa 18 000 rechnen.

Tja, was aber wenn aus den Zahlen nicht Fakten sprechen, sondern Interessen? Dann sind hier einige Medien jemandem gehörig auf den Leim gegangen. Das hat glücklicherweise ein Journalist der Zeit herausgefunden, der seine Recherchequelle wohl überprüft hat, anstatt alles ungeprüft abzutippen:

Die Artikel konnten sich alle auf eine scheinbar seriöse Quelle berufen: eine Untersuchung des Zentralinstituts Islam-Archiv-Deutschland im westfälischen Soest. Die Studie wurde immerhin mit Geld des Bundesinnenministeriums finanziert. Ressortchef Wolfgang Schäuble äußerte sein Unbehagen an der neuen Koranbegeisterung mancher Deutschen. Die »wachsende Zahl von Menschen«, die zum Islam konvertierten, habe »etwas Bedrohliches«, sagte Schäuble und verwies auf die »fanatische Übersteigerung« mancher Konvertiten. Düsteres Rätsel Islam: Sickert die fremde Religion jetzt von innen in die Gesellschaft ein? Nein. Die Islamisierung findet offenbar nicht statt. Die enormen Steigerungsraten sind – alle Indizien sprechen dafür – Fantasiezahlen. Das Institut mit dem pompösen Namen erweist sich als Einmannbetrieb samt ein paar Hiwis, deren Erhebungen sowohl Muslime als auch Islamforscher jede Seriosität absprechen. Erhellend waren die Medienberichte und die Schäubleschen Warnungen dennoch – als Lehrstück für den Umgang mit Fakten und Zahlen zur zweitgrößten Religion in Deutschland.

Ich für meinen Teil bin gehörig beunruhigt. Wenn es so leicht ist, Angst zu schüren, wenn Journalisten die einfachsten und wichtigsten Grundregeln verletzen und wenn ein Innenminister die Verfassung mittels solcher manipulativer Kräfte aushält, dann läuft etwas gehörig falsch. Drei Zeitungen haben hier ihre Verantwortung als vierte Gewalt nicht wahrgenommen. Und was Schäuble vor hat, dass will ich mir gar nicht ausmalen. Ja, ich werde Schäubophob.


Wer hat Angst vor Google

22. April 2007

Google wächst, Google kauft ein, jeder googelt – ist bald alles Google? Dieser Frage gingen bislang schon einige Dokumentationen nach, wobei viele davon das Klischee von Verschwörungstheorien bedienen. „Wer hat Angst vor Google?“ ist eine rühmliche Ausnahme. Fast eineinhalb Stunden präsentieren die Macher Interviews mit Kritikern, Befürwortern, alten Weggefährten der Gründer und ausführliche biographische Informationen. Fakten statt Mutmaßungen, das scheint das Motto der Macher gewesen zu sein. Leider ist der Film nur noch wenige Tage auf arte.tv abrufbar – sagt mir bitte Bescheid, wenn ihr ihn bei Youtube findet.

„Wer hat Angst vor Google?“

Ebenfalls sehenswert: Google Epic 2015. Eine amerikanische Dokumentation über Google und das WWW im Jahre 2015. Natürlich besteht sie zum größten Teil aus Spekulationen. Ob Amazon bald mit Google fusioniert? Das weiß man nicht. Aber möglich wäre es allemal.


Nachtrag: Na ja: Es war vielleicht doch kein Islamist!

22. April 2007

Während man sich bei PI ob dieser Nachricht wohl sicherlich keinen Fehler eingestehen wird, macht mein Herz doch einen kleinen Luftsprung. Wie es Einige und auch meine Wenigkeit irgendwie schon ahnten, ist Cho Seung Hui, der Mörder von Blacksburg, nicht identisch mit Chi Seung Ismail Hoo, den eine gewisse Gudrun Eussner bei flickr gefunden haben will.

Yes, the murderer name (Cho Seung Hui) had a very similar name to his name, Cho Seung Hoo. Please note to the HOO and the HUI in their names.

Das hat die vermeintliche Mittäterin und Freundin des Mörders Eldarossel (man erinnert sich: el dar os sel steht für „Haus des Friedens“= Islamistin) höchstpersönlich klar gestellt. Und sogar die amerikanische Ein-Mann-Variante von Pi, Debbie Schussel, hat ihre Anschuldigungen zurückgezogen.
Gut, dass es noch genug Menschen gibt, die sich auch für Tatsachen und Fakten interessieren. Für PI und Konsorten gilt wohl eher:

Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren sie mich nicht mit Tatsachen.


Wenn das Eine mit dem Anderen zusammen kommt….

21. April 2007

Gut am Internet ist auch, dass sich so manche krude Verschwörungstheoretiker ständig selbst entlarven. Ob auf PI (der Name taucht mir in letzter Zeit zu oft in meinem Blog auf…), Politikstube oder Kreuz.net, überall dort treffen sich selbsternannte Christen und verteidigen ihre Religion der Liebe. Das klingt zunächst nicht so schlimm, denn wir leben ja in einem freien Land. Jeder darf Glauben was er will. Wenn er anderen auch ihren Glauben lässt. Das aber wollen diverse Fundamentalisten keinesfalls tun.

Zumeist offenbart sich die Nichtakzeptanz aller anderer Religionen außer des Christenums selbst schleichend. Sie wird selten direkt genannt. Eine beispielhafte Enthüllung dieser krassen, extremen und fundamentalistischen Ansichten, die so mancher netter Christ teilt, kann man an einem Beispiel sehr gut beobachten: Homosexualität. In verschiedenen Diskussionen fängt es harmlos an: Eine Fragestellung, zum Beispiel ob Homosexualität Sünde ist oder nicht, eröffnet das Thema. Nur wenige wollen die gleichgeschlechtliche Liebe pauschal verurteilen, aber man ist sich dann doch unsicher, ob Homos Menschen sind, ob sie Sünder sind, ob man sie „heilen kann“. Das erschreckt einen unbedarften, offenen Menschen wie mich zwar sehr. Aber es ist nichts im Vergleich zu dem, was da noch alles in den Köpfen rumschwirrt! Mit einem Mal sind sie dann nämlich da, die krudesten Verschwörungstheorien. Ob ein Schwuler ein Mensch ist, steht dann nicht mehr zur Debatte. Denn vor allem Schwule (Lesben gibts ja auch noch) gelten nur noch als perverse, abartige und triebgesteuerte Pädophile, denen mann(!) in keinem Moment das Hinterteil zuwenden darf. Doch damit nicht genug. Wenn ein unbedarfter, offener Mensch wie Ich solchen Entgleisungen ständig entgegenhält, wo das in der Bibel stehe und wieso man Schwulen soviel Hass entgegen bringe, kitzelt man langsam aber sicher den puren Hass aus den achso nächstenliebenden „Christen“ heraus. Da ist dann schnell die Rede davon, dass man die „Homolobby“ irgendwie vernichten müsse, da man dem Antichristen anders nicht beikommen könne.
Als nun letzte Woche PI und Konsorten die Intoleranz mancher Muslime verurteilte, die Schweinefleisch als Grund für Homosexualität ansehen, brachte Kreuz.net seine eigene Theorie an: Wer Scheinefleisch ist, wird auch bald wie ein Schwein aussehen! Das hat mit Intoleranz nicht mehr viel zu tun, dass ist pure Menschenverachtung. Doch Kreuz.net kann noch mehr:

Die schweren Gesundheitsrisiken bei widernatürlichen geschlechtlichen Homo-Handlungen, zeugen von der Gefährlichkeit der Homo-Ideologie. (Quelle)

Was, im Himmels Willen, verbreiten diese Leute da in Gottes Namen?
Mit dem Christentum jedenfalls haben diese Menschen nicht mehr viel gemein. Hier kommt zum Deckmantel der Nächstenliebe die krasse Angst vor anderen Menschen. Ich will diese Fundis nicht als etwas Abartiges verurteilen, wie sie es mit Homosexuellen tun. Aber ich muss gestehen, dass ich nicht verstehe woher so viel Hass kommt, wenn man doch Liebe predigt.
Ich muss aber auch darauf hinweisen, dass es immer wieder aufrechte Leute gibt, die solchen Meinungen entgegen treten. Politikstube beheimatet viele Christen, die nicht mehr nur rechskonservativ sind. Aber es gibt auch eine handvoll Gläubige, die nicht jeden Post unkommentiert stehen lassen.


Das Deutsche Reich

20. April 2007

Der noch junge Staat entstand in der Zeit, als die industrielle Revolution Deutschland voll erfasste. Die Reparationsleistungen der Franzosen verhalfen der jungen Wirtschaft zu einem ersten Boom, die „Gründerjahre“ brachten Wohlstand. Während die Kapitalgesellschaften und Unternehmen florierten, versanken die Arbeiter der neuen Großstädte im Dreck.

So ist es kein Wunder, dass Bismarck das sich politisierende Proletariat als Gefahr sah: Als „Reichsfeinde“ titulierte er die SPD, aber auch das Zentrum. Denn beide vertraten Arbeiterinteressen, und beide hatten ein gewaltiges Wählerpotenzial hinter sich. Im „Kulturkampf“ entledigte Bismarck sich mit antikirchlichen Gesetzen und den Liberalen im Rücken der „ultramontanen“ (papsthörigen) Opposition. Der Sozialdemokratie begegnete das Reich 1878 mit den Sozialistengesetzen und der Sozialgesetzgebung. „Mit Zuckerbrot und Peitsche“, einer Doppelstrategie, suchte Bismarck die Arbeiterpartei zu verbieten und gleichzeitig die Arbeiter für sich zu gewinnen. Doch als nach dem wirtschaftlichen Aufschwung mit der Gründerkrise und der Großen Depression schwere Zeiten anbrachen und man Schutzzölle und Protektionismus der Lage Herr werden wollte, gingen die Liberalen auf Distanz zu Bismarck. Und auch die Versuche, die Sozialisten zu unterdrücken schlugen fehl: Plötzlich hatte die SPD immer mehr Zuwachs. Und dann kam auch noch das „Drei-Kaiser-Jahr“ 1988: Nach Wilhelm I. Tod übernahm sein Sohn Friedrich III. den Thron, starb jedoch nach nur 99 Tagen. Plötzlich saß mit Wilhelm II jemand auf dem Thron, der sich nicht mehr auf Bismarck verlassen wollte: 1890 wurde Bismarck entlassen.

Doch außer innenpolitischen Entscheidungen war Bismarck auch in der Außenpolitik von Bedeutung. Bereits 1873, nur wenige Jahre nach dem Krieg gegen Österreich begründete Kanzler Bismarck das Dreikaiserabkommen (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn,Russland). Als „ehrlicher Makler“ hatte er die Gegensätze der Doppelmonarchie und Russlands auf dem Balkan kompensiert. Das war nur der erste Schritt von Vielen, mit denen er das europäische Gleichgewicht erhalten wollte. Er erklärte, Deutschland sei territorial saturiert. Den Erwerb von Kolonien lehnte er ab um England oder Frankreich nicht zu beunruhigen: „Meine Karte von Afrika liegt in Europa“. Parallel dazu entstand der Dreibund, ein Defensivbündnis zwischen Deutschland, Österreich und Italien. Vom Neutralitätsabkommen zwischen Russland und Deutschland wusste außer den beiden Vertragsparteien niemand.

Dieses verflochtene Netz aus Bündnissen war in dieser Art sehr starr. Keiner konnte eine falsche Bewegung machen ohne einen Krieg zu provozieren. Zudem war Frankreich isoliert, ganz nach Bismarcks Vorstellungen. Nur mit England kam kein Bündnis zu Stande. Gleichzeitig erhielt das Bündnissystem den Frieden – bis Wilhelm II. sein „persönliches Regiment“ antrat.


Politikpla.net

20. April 2007

Meine Suche nach einem ordentlichen Politikforum hat vorläufig ein befriedigendes Ende genommen: Auf dem „Politikplaneten“ lässt es sich aushalten. Zwar erhält man hier nicht auf jeden Post sofort eine Antwort, da es noch nicht so viele aktive Mitglieder gibt. Aber das muss kein Nachteil sein, schließlich wird in anderen Foren auch viel Bockmist als Antwort verkleidet. Schön ist auch, dass die Themen vielfältig sind und so die Usergemeinschaft widerspiegeln: Es gibt Lefties, Liberale und eher konservative Schreiberlinge. Aber alle versuchen mit Argumenten zu überzeugen – plumpe Propaganda á la PI und seinem Unterstützerforum, der Politikstube, gab es bislang nicht.
Endlich also eine neue Bleibe in den Weiten des WWW – keine „Stube“, aber ein gemütlicher Planet.